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Historical Artillery
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Rudolf Roth – Classification & Consultation

Alte Kanonen, Rudolf Roth, Rudi Roth, Artillerie, Kanone-Zeichungen

Allerlei

Alte Geschütze sind kunsthistorische Objekte, handwerkliche Produkte, Kulturgüter und eine umfassende Informationsquelle unserer Geschichte für die letzten 700 Jahre. Sie umfassen Bergbau, Wirtschaft, Technologie, Chemie, Gesellschaft, Organisation des Staates, politische Geschichte, Kriegsgeschichte und vieles mehr.

Knapp die Hälfte der vorhandenen Geschütze befindet sich in den zahlreichen europäischen Museen. Trotz des Informationswertes und die geschichtliche Bedeutung gibt es nur einzelne wissenschaftlich fundierte Kataloge von deren Artilleriesammlungen. Einzig in Südafrika besteht eine nationale Registratur dieser "Kulturgüter".

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl Themen in geschichtlichem Zusammenhang (oberflächlich recherchiert), die für Sie interessant sein könnten.

Geschichtlicher Kontext

Unsere Geschichte besteht aus Königen, Bischöfe, Päpsten, Schlachten, Kriege, Adeligen und Städten, die andern 95% der Bevölkerung, Leute wie ihr und ich, haben keine geschriebene Geschichte, man könnte meinen sie hätten nie existiert. Doch die Büchsenmeister und Giesser der Geschütze, der Kirchenglocken und Skulpturen als Einzige haben diese Geschichte geschrieben. Sie steht oft mit Namen, Datum und Herstellungsort auf den meisten und jederzeit anfassbaren Erzeugnissen. Es ist die Geschichte des Handwerks, der Montanindustrie, der einzigen Schwerindustrie bis zum 19. Jahrhundert, der Beginn der Chemieindustrie, der angewandten Wissenschaft, der Kunst und zu allen Zeiten der verfügbaren Spitzentechnologie. Artillerie brachte das Ende der Feudal Gesellschaft, das Ende des Raubrittertums, die Befestigung der Städte der Renaissance und der Aufbruch in die Neuzeit. Es waren Kanonen welche um 1500 die Revolution im Schiffbau zum Atlantikschiff verursachten und damit die Voraussetzung schufen für die Entdeckung unserer Welt und entstehen der heutigen Gesellschaft.

Staatliche Strukturen

Die Verwaltung in Zeughäusern war der Anfang und Vorbild zum heutigen modernen Verwaltungsapparat eines Staates. Zeughäuser waren überdies weit mehr als nur ein isoliertes Tätigkeitsfeld für Beamte und zur Lagerung von Artillerie. Sie wurden zu einer industriellen, wirtschaftlichen, verwaltungstechnischen, wissenschaftlicher, sozialen und kulturellen Symbiose der Militärstadt wie zum Beispiel Woolwich oder Spandau. Ein schwacher Abglanz davon ist unser Thun. Sie alle hatten ihre Sportvereine, Orchester, ja sogar Theater. Der englische Fussballclub Arsenal, genannt 'The Gunners', ist noch heute einer der führenden Fussball-Vereine Grossbritanniens, obwohl Woolwich schon längst geschlossen ist.

Politik

Zusammen mit speziell für diesen Zweck gebauten Schiffen, waren Kanonen das entscheidende Argument im globalen Handel, Kolonialismus, Kampf um Ressourcen, Imperialismus und der Technologie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Der Massstab für die industrielle Leistungsfähigkeit eines Landes waren an der Pariser Wertausstellung im Jahre 1867 noch immer die neusten und grössten Kanonen. Diese komplexe Dynamik der Weltgeschichte war im 19. Jahrhundert die 'Pax Britannica', sie wurde zur 'Kanonenboot-Diplomatie' gegen Ende des Jahrhunderts und endete mit der Schlachtschiffpolitik anfangs der 1930er Jahre und dem Niedergang der europäischen Weltdominanz. Das letzte Schiff dieser Schlachtschiffpolitik war die US New Jersey mit 9 x 406mm Geschützen. Diese hatten eine Reichweite von 38 km bei 30° Grad Erhöhung und schossen 2 Granate von je 1224 kg Gewicht pro Minute. Der letzte Einsatz dieses Schiffes war am 8.2.1984 gegen das Bekaa Tal im Libanon mit einem Bombardement von 300 Schuss.

Wissenschaft

Bereits im Jahre 1430 wurde in Strassburg die Stelle eines Büchsenmeisters neu ausgeschrieben weil man entdeckte dass der Alte weder lesen noch schreiben konnte. Die Berechnungen von Schussdistanzen und Anzahl Geschosse in Kugelpyramiden wurden zur Triebfeder der angewandten Mathematik ausserhalb der kleinen Kaste von Gelehrten. Im Jahre 1465 erschien das erste Buch über die Dreieckslehre welche im Jahre 1595 durch Bartolomäus Pitiscus als Trigonometria bekannt wurde. Sie wurde zur Grundlage der Distanzmessung und auch für die Schiffsnavigation zur Bestimmung des Breitengrades, als eine weitere Voraussetzung für die Entdeckungsreisen und Kartographie des gesamten Globus. Kauders Feuerwerkbuch vom Jahre 1429, damals noch geheim wie alle Feuerwerksbücher, wurde deshalb erst im Jahre 1529 als das erste technische Buch überhaupt gedruckt. Im Jahre 1540 folgte Biringuccio's berühmter Pirotechnia als zweites gedrucktes technisches Buch. Das noch vor einigen Jahren oft zitierte Rechnungsbuch des Adam Risen für die damalige literate, breite Öffentlichkeit wurde erst im Jahre 1578 erstmals publiziert.
Artillerie initiierte auch die Entwicklung immer besseren wissenschaftlicher Instrumente und indirekt auch der Zeitmessung. So war zum Beispiel der erste praktische Entfernungsmesser der Telemeter von der englischen Firma Barr & Stround speziell für die Grosskampfschiffe der englischen Royal Navy entwickelt und im Jahre 1892 eingeführt worden. Die ersten offiziell eingeführten Telemeter in unserem Lande waren für die Schweizer Armee, sie wurden von der gleichen Firma für die 7.5cm schweren Flab Kanonen von Vickers im Jahre 1937 geliefert.

Dynamit-Nobelpreis

Der Schwede Alfred Nobel erfand im Jahre 1867 das Dynamit welches hauptsächlich zum Füllen von Explosiv-Granaten der Artillerie verwendet wurde. Sein Patent N° 51'471 im Jahre 1888 betraf die Herstellung von rauchlosem Pulver auf Nitrocellulose Basis. Es wird noch heute bei allen modernen Schusswaffen von der Artillerie bis zum Kleinkaliber-Gewehr verwendet. Nobel litt Zeitlebens darunter, das seine Erfindungen anscheinend ausschliesslich für den Krieg verwendet wurde. Er starb einsam und ohne Erben am 10. Dezember 1896. Sein gewaltiges Vermögen wollte er deshalb in einer Stiftung angelegt wissen. Die jährlichen Zinsen dieses Vermögens wünschte er testamentarisch den Personen verliehen zu haben, die im Bereich Literatur, Physik, Chemie, Medizin und zur Erhaltung des Friedens aussergewöhnliches für die gesamte Menschheit geleistet hatten. Die Stiftung wurde am 29. Juni 1900 gegründet und der Nobelpreis im Jahre 1901 erstmals verliehen. Seine Erfindung für die Artillerie fand natürlich schon bald auch zivile Verwendung. Der Bau eines Suez- oder Panamakanals währe undenkbar gewesen ohne Dynamit und ebenso die Bewirtschaftung mancher Bergwerke, der Tunnelbau, der Durchbruch des Gotthards und Bau der heutige Infrastruktur.